Erstehilfe-Kurs

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Robert Lohr

KURSLEITER
ERSTE HILFE-KURS, JOHANNITER-UNFALL-HILFE e.V

Jetzt bitte handeln! Oder: Wer hilft hier wem?

Ein Integrationsprojekt der ganz besonderen Art konnte zu Beginn des aktuellen Schuljahres an der Gemeinschaftsschule Leutkirch installiert werden. Robert Lohr, Ortsbeauftragter der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., wollte mit unseren Jugendlichen der Sprachvorbereitungsklasse VKL2 den vollen Einstieg in die Erste Hilfe-Arbeit wagen und dabei zusammen mit der Klassenleiterin Ulrike Biemann auf unkomplizierte Art die Deutschkenntnisse erweitern.

„Erst die Praxis, dann die Theorie“, lautete das Credo von Robert Lohr, mit dem er und sein Team über sechs Wochen hinweg jeden Freitagvormittag vorhatten, den Deutsch-Unterricht in der Gemeinschaftsschule auf eine ganz besondere Art mitzugestalten. Man konnte durchaus von einem Pilotprojekt sprechen, denn der klassische Sprachunterricht sollte ein wenig in den Hintergrund treten, um der Praxis Raum lassen.

Unabhängig von kultureller Herkunft und unabhängig von mehr oder weniger bereits erworbenen Deutschkenntnissen sollten junge Mädchen und Jungen aus Syrien, Bosnien, Albanien, aus Italien, Kasachstan und aus der Ukraine sowie aus Kroatien, Serbien und Rumänien hier nun voll in die Praxis einsteigen und lernen, wie man mutig in Situationen geht, in denen es auf schnelle Handlungskompetenz ankommt. Würde das in einer Klasse voller unterschiedlicher Sprachen und Kulturen mit zumeist scheuen Jugendlichen gelingen können?

Den Erfolg des Projektes kann man nicht besser beschreiben, als mit den bescheidenen Worten des Projektleiters selbst: „Es hat funktioniert!“ Denn das hat es!

Trotz Sprach- und Kulturbarrieren konnten in harmonischem und hochgradig praxisorientiertem Unterricht wertvolle Inhalte übermittelt werden. Dabei achtete die Klassenlehrerin im Hintergrund stets darauf, dass fleißig Vokabeln verstanden, aufgeschrieben und gelernt wurden.
Was kann ich jetzt tun? Zwei syrische Mädchen erlernen die stabile Seitenlage.
Gut versorgt! Albanische, bosnische und syrische Jugendliche bei der Wundversorgung.

Die Schüler waren von Anfang an mit voller Begeisterung dabei, Gesichter strahlten und im praktischen Miteinander wurden Schritt für Schritt Scheu und Berührungsängste überwunden.
Sie wichen bald der Neugierde und dem Stolz auf erworbene Kenntnisse. Dabei lernten die Jugendlichen spielerisch Fachbegriffe und Regeln ohne dass Grammatik im Vordergrund stand.

Absicherung einer Unfallstelle. Was ist wichtig?

Sie erlernten und übten die Absicherung von Unfallstellen und vorrangigen Selbstschutz, das Absetzen eines Notrufes, verschiedene Lagerungsarten, das Verbinden und Stillen stark blutender Wunden und nicht zuletzt die moderne Herz-Lungen-Wiederbelebung. Und so ganz nebenbei verbesserten sich Wortschatz und Sprachgefühl. Es wurden Fallbeispiele nachgestellt und die klassische Handlungskompetenz bei allen Teilnehmern erreicht.

Doch wurde im Grunde noch viel mehr erreicht: Das Selbstbewusstsein und das Verständnis für die eigenen Fähigkeiten wurde gestärkt ebenso wie das Vertrauen, für die neue Gesellschaft, in der die Jugendlichen nun leben, einen wertvollen Beitrag leisten zu können, nämlich den, im Notfall sozusagen „etwas zurückgeben zu können“, nämlich die unersetzliche „Erste Hilfe“ im Notfall.

Dieses Projekt förderte zudem die Teilnahme einiger Schüler an Jugendgruppen der Johanniter, es beeinflusst aktuell stark ihre Berufsvorstellungen in Richtung Rettung, Betreuung und Pflege und führte dazu, dass sie sich mit den Schulsanitätern aus anderen Klassen zusammenschließen konnten.

In einer großen Abschlussveranstaltung demonstrierten sie dem Schuldirektor Jan Gesierich-Kowalski und Frau Wacker-Günther als Vertreterin der Stadt Leutkirch sowie dem gesamten Rettungsdienst der Johanniter als Fachpublikum ihre neu erworbenen Fähigkeiten.

Tutto bene – Alles gut! Ein italienischer Schüler wird von seinen kasachischen und syrischen Mitschülern "versorgt".

Es erfolgte eine klassenübergreifende Vernetzung und die Entstehung von neuen Kontakten und Freundschaften ausserhalb der Schulsituation, die nun in Jugendarbeit und Berufsbildung weitergeführt werden kann, also Integration im echten Sinne.

Von derartigem Erfolg beflügelt, muss es natürlich weitergehen.
So ist für das kommende Schuljahr ein „Best Practice“-Vermittlungsprojekt in Planung, in dem die Jugendlichen der Sprachvorbereitungsklasse VKL2 ihre erworbenen Kenntnisse unter Überwachung von Ortsgruppenleiter Lohr in einem Schulprojekt an die Sprachvorbereitungsklasse VKL1, also den neu zugewanderten Jungen und Mädchen im Grundschulalter, weiter vermitteln.

Hier werden wir zudem von den vielfältigen Sprachkenntnissen der Jugendlichen untereinander profitieren, die dann je nach Bedarf bei der Wissensvermittlung angewendet werden dürfen.

Denn „Hilfe in der Not“ ist kultur- und sprachübergreifend!

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